Auch der öffentliche Dienst benötigt Nachwuchs und muss im Wettbewerb gute Arbeitskräfte mithalten. Interamt war funktional etabliert, aber visuell und in der Nutzerführung in die Jahre gekommen. Dazu besteht eine bunt gemischte Zielgruppe von Azubis bis zur Amtsleitung und Barrierefreiheit nach BITV 2.0 gilt als grundlegende Anforderung.
Im Brand Positioning Workshop haben wir die Marke zwischen Behörde und Karriereportal neu verortet. Im UX-Prozess die zentralen Flows (Stellensuche, Bewerbungsmappe, Arbeitgeberbereich) konsequent vereinfacht. Und im Brand- & UI-System eine barrierefreie Designsprache entwickelt, die die Vielfalt des öffentlichen Dienstes abbildet. Hochkontrast, Leichte Sprache, Gebärdensprache und Dark Mode werden von Anfang an mitgedacht.
Eine Plattform, die der Größe ihres Auftrags gerecht wird: klar, einladend, vertrauensvoll und für alle nutzbar. Wer eine Stelle findet, kann sich mit wenigen Klicks bewerben. Kurzer Dienstweg statt Behördengang für die über 300.000 Interamt Nutzer:innen.
Website: karriere.interamt.de

Im Brand Positioning Workshop haben wir gemeinsam mit dem Interamt-Team die zentrale Frage beantwortet: Wofür steht Interamt jenseits seiner Funktion als Stellenbörse? Drei Spannungsfelder gaben die Richtung vor – seriös ohne behäbig zu wirken, vielfältig ohne beliebig zu sein, sinnstiftend statt verpflichtend zu wirken.
Daraus haben wir die Markenpositionierung geschärft: Interamt ist die zentrale Anlaufstelle für Karrieren im öffentlichen Dienst. Nahbar und kompetent, mit echten Menschen statt Stockfoto-Klischees. Inklusiv von Grund auf und zeitgemäß lebendig, ohne sich anzubiedern.

Die visuelle Identität von Interamt 2.0 verbindet zwei Welten, die selten zusammenfinden: behördliche Verlässlichkeit und moderne Karriereportal-Ästhetik. Jedes Gestaltungselement zahlt auf drei Markenkern-Eigenschaften ein – zugänglich, vertrauenswürdig, vielfältig.

Bildmarke
Das sehr starke Motiv der geöffneten Tür als Bildmarke wurde übernommen. Wir haben lediglich leichte Änderungen an Strichstärke und eine Vereinfachung der Form vorgenommen um sie ins organisch ins neue Design anzupassen.
Farbwelt mit Kontrast-Garantie
Das bestehende Interamt Orange wurde um zwei warme, satte Grünpaletten erweitert und dadruch entsteht eine frische und freundliche Farbpalette. Diese ist nicht nur visuell durchdacht, sondern technisch auf WCAG-AAA-Kontraste ausgelegt.


Typografie für alle
Die gewählte Schrift (Euclid Circular B von Swiss Typefaces) kombiniert seriöse Lesbarkeit mit freundlicher Klarheit. Wichtig: Die Schrift funktioniert auch sehr gut in vergrößerter Darstellung, etwa für Nutzer:innen mit Sehbeeinträchtigung oder geringer Sprachkompetenz.
Bildsprache: echte Berufe für echte Menschen
Die Bildwelt bricht bewusst mit Stockfoto-Konventionen. Statt austauschbarer Lächel-Bürobilder zeigen wir die echte Bandbreite öffentlicher Berufe. Die Vielfalt der 18 Branchen wird dadurch zum visuellen Markenzeichen.


Jobsuche als Grafikelement
Früher hat man im Stellenteil mit dem Stift gearbeitet: durchblättern, einkreisen, später wiederfinden. Diese Geste haben wir in dezenten, handgezeichneten Elementen auf der Landingpage wieder aufleben lassen.
Vor der ersten Wireframe-Iteration wurde gezielt zugehört. In einer quantitativen Befragung unter aktiven Stellensuchenden auf Interamt wurde erhoben, welche Features den größten Mehrwert bieten und wo die stärksten Reibungspunkte im bisherigen Nutzungserlebnis liegen. Ergänzend dazu wurden qualitative Nutzerinterviews mit Arbeitgebenden geführt, die Interamt täglich im Recruiting-Alltag einsetzen; mit dem Ziel, ihre Workflows und Frustrationspunkte besser zu verstehen, insbesondere die spezifischen Einstellungsprozesse im öffentlichen Dienst mit ihren formalen Anforderungen und Besonderheiten.
Die Erkenntnisse aus beiden Methoden flossen direkt in die Planung und Priorisierung der UX-Maßnahmen ein.
Der öffentliche Dienst hatte lange den Ruf, dass man sich „umständlich“ bewerben muss. Genau diesen Eindruck wollten wir auflösen. Im UX-Prozess haben wir die zentralen Flows und Features auf Basis der Nutzerumfragen und -interviews neu gedacht, unter anderem:
Schritt 1: Profil erstellen: Lebenslauf, Zeugnisse und Dokumente einmal hochladen, sicher gespeichert für jede zukünftige Bewerbung.
Schritt 2: Jobsuche: Nach Ort, Berufsfeld, Arbeitgeber oder Dienstverhältnis filtern. Interessante Stellen mit einem Klick merken oder Suchprofile speichern und automatisch benachrichtigt werden.
Schritt 3: Bewerben: Profil per Klick in die Bewerbung übernehmen, ergänzen, abschicken. Status der Bewerbung im persönlichen Dashboard im Blick behalten.
Schritt 4: Bewerbungen verwalten: Unterlagen nachreichen, mit Arbeitgebern kommunizieren. Alles an einem zentralen Ort.

Hochkontrastmodus, Dark Mode, Leichte Sprache, Gebärdensprach-Videos: Diese Funktionen sind nicht nur in der Header-Leiste verfügbar, sondern systemisch im Designprozess verankert. Das bedeutet: Jede Komponente, jedes Icon, jeder Flow wurde gegen die BITV-2.0-Anforderungen geprüft und an realen Nutzer:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen getestet.


Damit die Marke bei über 5.000 Arbeitgebern und in zahllosen Sub-Pages konsistent bleibt, haben wir ein vollständiges Design System entwickelt: dokumentierte Komponenten, Token-basierte Farben, klare Spacing-Regeln. Das System wird vom Interamt-Team eigenständig weiterentwickelt. Wir haben das Fundament gelegt.

Der öffentliche Dienst ist kein Nischenthema. Er ist der größte Arbeitgeber Deutschlands und betrifft jede:n Einzelne:n. Genau deswegen war dieses Projekt so wertvoll: Wir haben gelernt, wie sich gutes Design anfühlen muss, wenn es wirklich für alle funktionieren soll. Nicht für einen Stockfoto-Durchschnittsnutzer, sondern für die 80‑jährige, die ihre Rente verstehen will, genauso wie für den 22‑jährigen Quereinsteiger ins IT‑Referat.
Barrierefreiheit ist dabei kein Kompromiss am Design, sondern macht es besser. Für alle. Und gute UX ist im öffentlichen Dienst kein Luxus, sondern ein demokratisches Versprechen: dass der Staat zugänglich bleibt.
Die Zusammenarbeit mit dem DVZ Mecklenburg‑Vorpommern als Plattformbetreiber war geprägt von einem gemeinsamen Anspruch: Eine öffentliche Plattform muss heute genauso gut sein wie jedes private Produkt, in vielen Aspekten sogar besser.